Wärmetauscher gehören zu den kritischsten Apparaten in thermischen Industrieanlagen. Wenn hier etwas schiefläuft, sind die Folgen selten klein: Leistungsabfall, Korrosionsschäden, ungeplante Stillstände.
Aus unserer Praxis zeigt sich klar: Die meisten Probleme entstehen nicht in der Fertigung, sondern bereits bei der Bestellung.

Nachfolgend die fünf häufigsten Fehler, die wir immer wieder sehen – und was Sie konkret besser machen können.

Fehler 1: Falsche Annahmen über die realen Betriebsparameter

In vielen Fällen, die wir prüfen, stimmen die angegebenen Betriebsdaten nicht mit der Realität überein.

Typische Abweichungen:

  • Abluft enthält mehr Feuchte oder aggressive Bestandteile als angenommen

  • Medienzusammensetzung hat sich über die Jahre verändert

  • Temperaturen und Lastwechsel sind höher als dokumentiert

Warum das kritisch ist:
Ein Wärmetauscher wird exakt auf diese Parameter ausgelegt. Schon kleine Abweichungen führen zu Korrosion, Fouling oder vorzeitigem Ausfall.

Bessere Lösung:
Führen Sie vor der Bestellung eine echte Ist-Analyse im Werk durch – inklusive:

  • Abluft-/Abgasanalysen

  • chemischer Zusammensetzung

  • realer Temperatur- und Lastprofile

Alles andere ist Auslegung „auf Verdacht“.

Fehler 2: Wartung und Instandhaltung nicht einbeziehen

Ein Klassiker – und einer der teuersten Fehler.

Planung und Einkauf arbeiten mit Datenblättern.
Die Kollegen aus der Wartung arbeiten mit der Realität.

Unsere Erfahrung:
Die Instandhaltung weiß sehr genau:

  • wo Apparate regelmäßig zusetzen

  • wo Korrosion beginnt

  • welche Bauteile konstruktiv problematisch sind

Bessere Lösung:
Sprechen Sie vor der Bestellung mit den Kollegen, die den Wärmetauscher seit Jahren warten.
Ein Apparat muss im Betrieb funktionieren – nicht nur auf dem Papier.

Fehler 3: Keine Zeit für Engineering einplanen

„Wir brauchen nur einen Nachbau.“
Diesen Satz hören wir häufig – und widersprechen ihm regelmäßig.

Ja, ein reiner Nachbau ist möglich.
Aber: In fast jedem Projekt gibt es Verbesserungspotenzial.

Typische Ansatzpunkte:

  • höhere Standzeit

  • bessere Reinigbarkeit

  • sicherere Werkstoffwahl

  • stabileres Verhalten bei Lastwechseln

Bessere Lösung:
Planen Sie bewusst Zeit für Engineering ein.
Nicht für „schnell-schnell“, sondern für eine saubere Lösung.

Unsere klare Haltung:
Lieber ein paar Wochen mehr Konzeptarbeit – als Jahre Ärger im Betrieb.

Fehler 4: Nicht in 10–15 Jahren denken

Viele Bestellungen sind auf den aktuellen Engpass fokussiert. Das rächt sich später.

Ein Wärmetauscher steht fast nie allein. Leistungsänderungen wirken sich auf:

  • Überhitzer

  • Dampferzeuger

  • Abnehmer

  • Economiser

aus.

Unsere Erfahrung:
Wenn ein Apparat optimiert wird, müssen die angeschlossenen Systeme mitgedacht werden – sonst verschiebt man das Problem nur.

Bessere Lösung:
Denken Sie in Anlagenkonzepten, nicht in Einzelapparaten.
Sprechen Sie das Thema offen an – wir prüfen die Wechselwirkungen mit.

Fehler 5: Möglichst billig einkaufen

Hier wird es deutlich.

Bei Gesamtanlagen im mehrstelligen Millionenbereich und Stillstandskosten im Millionenbereich ist „billig einkaufen“ kein Sparen – sondern Risiko.

Typische Argumente:

  • „Aus China bekommen wir es günstiger.“

  • „Der Einkauf macht Druck.“

Die Realität:
Wer billig kauft, zahlt oft doppelt – oder dreifach:

  • durch kürzere Standzeiten

  • durch Nacharbeiten

  • durch ungeplante Stillstände

Bessere Lösung:
Setzen Sie auf nachvollziehbare Fertigung, erreichbare Ansprechpartner und Erfahrung.
Besuchen Sie Ihren Lieferanten. Schauen Sie sich die Fertigung an. Machen Sie sich selbst ein Bild.

Im Zweifel gilt: Qualität vor Preis.

Unser Fazit

Die meisten Fehler beim Bestellen von Wärmetauschern sind vermeidbar.
Nicht durch mehr Formulare, sondern durch:

  • saubere Ist-Analysen

  • Einbindung der richtigen Menschen

  • Zeit für Engineering

  • langfristiges Denken

  • klare Qualitätsentscheidungen

Wenn Sie bei einem dieser Punkte unsicher sind:
Im Zweifel – Kraps GmbH.

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